Reisebericht August 2008
... Erlebnisse rund um Lantluft, dokumentiert in Text u. Bildern von den Haasis (Hannover).
Ein
Sommer in Schweden
(es waren zwar nur 16 Tage, aber so liest sich
die Überschrift spannender …)
Es war wohl einer der trüben Wintertage
als sich zwei große und zwei kleine Niedersachsen (neudeutsch=Familie)
entschieden haben ihren Sommerurlaub in Schweden zu verbringen.
Den Kindern (8 und 12 Jahre) war es sowieso egal, welchen Strandabschnitt
sie umgraben.
Der finale Tipp kam dann von unseren Freunden aus Waldenbuch, die ebenfalls
temporär im Sommer einer schwäbisch-tirolerischen Wohn- und Ehegemeinschaft
namens „Lantluft“ beitreten wollten.
Die Webseite dazu überzeugte, die Impressionen machten neugierig und
ein Mailkontakt ward auch angeboten. Was will man mehr, also gebucht und fertig!
Und dann ging es Ende Juli im hannoverschen
Dauerregen los. Entspannte Fahrt über Puttgarden, Kopenhagen und Malmö
und das Wetter wird immer besser. Nach gefühlten 137 Kreiseln und realen
49 Blitzautomaten (werden die eigentlich in Schweden subventioniert?) nähern
wir uns Jämjö, d.h. bald sind wir da.
Und dann quäkt die Domina-Stimme des Navi "Sie sind am Ziel angekommen".
Atemlose Spannung macht sich im Wagen breit und Töchterchen fragt ganz
aufgeregt: "Ist es das???".
"Nein Schatz, das ist höchstens ein Plumpsklo. Da kann man nicht
wohnen."
Vielleicht war es auch die Garage eines Rasenmähers, wer weiß.
Sicher war nur eins: im sichtbaren Umfeld war dies die einzige Behausung,
der Rest war Grün (also Bäume). Ratlosigkeit machte sich breit und
die Tatsache, dass in einer hannoverschen Fußgängerzone mehr Autos
fahren, als auf der Straße wo wir gerade standen, beruhigte auch nicht
gerade. Aber nach kurzer Strecke kamen die ersehnten Schilder mit „Cafe“
und „Hantverk“, und wir waren wirklich da.
Ja, und dann kam für uns Hochdeutschen eine akustische
Begegnung der dritten Art. Martina, die Herrin des Hauses (mit sexy rot-weiß-karierter
Schürze) begrüßte uns herzlich aber unverkennbar mit einem
Dialekt, der in keine gewohnte Tüte passte. Im nachhinein würde
ich dies jedenfalls als "Schwäbisch-Tirolerisch"-Crossover
bezeichnen, aber definitiv mit Charme.
Ein erster Gang im weitläufigen Lantluft-Rund entzückte ebenfalls
außerordentlich. Ein Riesengelände mit Platz zum Kicken, toben
und sonstige Sportaktivitäten, eingebettet in liebevoller Gartengestaltung
und angrenzender Kuhweide. Ja, richtig gelesen – eine Kuhweide. Nicht
so die gemeinen norddeutschen Schwarz-Weiß-Kühe sondern eher in
der Kategorie "Swedish-Next-Top-Cow" anzusiedeln.
Und mehrfach schoss einem durch den Kopf: Wow, ist das idylisch!"
Die Solros, im sommerlichen-Design gehalten, wurde schnell bezogen, das Abendessen
fix zubereitet und dann erklang auch schon der kindliche Ruf "Können
wir noch zum Wasser?"
Da Kaffee und feste Nahrung erfolgreich wiederbelebt hatten, war auch dies
möglich. Auf den 10minütigen Gang zum Meer, rechts und links die
Heidi Klums der schwedischen Kühe, eingebettet in einer ursprünglichen
Landschaft mit wohl jahrhundertealten Mauern, immer wieder der Gedanke: Ist
das idyllisch hier!"
Und dann der Blick auf das Wasser, schon fast kitschig anmutend, in Abendlicht
getaucht.
Alles schön, alles richtig gemacht – denken die beiden großen
Niedersachsen. Wenn die schon fast greifbare Ruhe nicht durch eine simple
Frage der Kurzen unterbrochen würde: "Aber baden können wir
hier nicht, oder?"
Tja, da hatten die Kids wohl im Vorfeld nicht richtig zughehört, dass
nach Jahren dänischer West- und Ostküste, ein etwas anderer Urlaub
anstand und man nicht an jeder Stelle gleich ins Wasser hüpfen kann …
Am nächsten Tag haben wir dann auch die restliche
Lantluft-Besatzung kennengelernt. Mike, der Mann, der wohl immer was zu tun
hat (und gleich morgens meine Autobatterie wiederbeleben durfte) und Yukon,
ein prachtvoller Labrador. Yukon avancierte schnell zum Liebling der Kurzen,
auch wenn anfänglich die Freude über neue Bewohner tierische Ausmaße
annahm.
Der Kleine (altersmäßig) zeigte sich eigentlich wie ein richtig
Großer nur beim abendlichen Gassi-Gang offenbarte er seine Defizite.
Statt dynamisches Bein heben, setzte er sich fast hin. Wir Norddeutschen würden
sagen, ein Hund wie ein Baum, aber beim Pinkeln dann doch wie Moosbachers
Daisy (das war eine plüschige Pudeldame).
Aber so ist das in den heutigen Zeiten – erst werden die Kerle domestiziert
und müssen sich beim Klogang setzen und als nächstes dürfen
die Rüden nicht mal mehr das Bein heben. Mike beruhigte mich aber, dass
das Beinheben erst ab einem gewissen Alter kommt.
Trotzdem hoffe ich, dass der - sicherlich liebevoll gemeinten - Kosename „Zipferl“
keine negativen Wirkung an der zarten Hundeseele bewirkt.
So, wer bis hierhin gekommen ist, der darf sich
freuen: Jetzt gibt es sogar ein paar richtige Infos zu unserem Urlaub in Blekinge.
Reiseführer können übrigens zuhause gelassen werden, denn von
8:30 bis 21:00 hat Eventmanagerin Martina Sprechzeit, d.h. wie, wo, und was
erfährt man fachkundig von Martina, selbstverständlich mit entsprechenden
Unterlagen und Kartenmaterial ergänzt.
Damit ich auch mal zum Ende komme, jetzt aber wirklich ein paar Fakten zum
Urlaub:
Strände und Baden
Ein toller Platz zum Baden in
Hallerum (klein aber fein) findet sich 6 km entfernt bei Jämjö.
Dies war in den 16 Tagen unser „Hausstrand“, mit guten Parkmöglichkeiten,
klarem Wasser und Eisversorgung.
Ein Paradies für Kleinkinder, Warmduscher und Beckenrandschwimmer sowie
ausreichend Sand zum Buddeln findet sich zwischen Kristianopel und Kalmar
(Bergvara). Das Wasser ist superwarm und erreicht erst nach 150 Metern anständige
Schwimmtiefe.
Wunderschön und absolut empfehlenswert ist der St Havsjön See. Herrlich
im Wald gelegen, auch für die Kurzen gut geeignet, gibt es idyllisches
Binnenseefeeling.
Der Strand auf Sturkö (beim Campingplatz) war auch klasse sowie auf Hasslö
(gut kombinierbar mit einem Ausflug).
Und die Strände in Öland's Norden sind natürlich sehenswert
(aber dazu gleich mehr).
Öland
Öland haben wir an 2 Tagen besucht, die
auch bis abends spät andauerten. Zuerst der Norden mit Borgholm Slott,
entlang der Westküste hoch zum Trollskogen und zwischendurch an einer
der unzähligen Strände. Diese sind für Ostseeverhältnisse
wunderschön, aber auch ziemlich stark bevölkert.
Am zweiten Tag dann die Südhälfte die sich ebenfalls sehr abwechslungsreich
zeigt. Über die Sant-Knuts-Kappelle, durch die Stora Alvaret zur Burg
Eketorp (ein super Freilichtmuseum) bis zur Ölands södra Udee.
Grundsätzlicher Tipp: Die Nord- und Südspitze von Öland erst
in den frühen Abendstunden (ca. 18:00 Uhr) aufsuchen. Im Sommer bei dem
Abendlicht ist das vor Schönheit kaum auszuhalten und außerdem
rennen da nicht mehr so viele Menschen rum.
Ausflüge
Einen der schönsten Urlaubstage verbrachten
wir auf der Insel Aspö mit Fahrrädern.
Kleine Buchten laden zum Baden ein, die Strecken sind gut beschildert und
gut befahrbar und das Kastellet bietet sogar Historisches – kurzum man
kann einen herrlichen Tag auf Aspö verleben. Kleiner Tipp: Achtet beim
Rumfahren mal auf die Briefkästen – es lohnt sich.
Brändaholm bei Karlskrona
bietet schwedische Postkartenidylle pur, muss man aber gesehen haben.
Und es ist schon toll zu sehen, mit wie viel Liebe zum Detail die Häuser
und Gärten hergerichet sind.
Karlskrona, das kleine Stockholm, ist sowieso ausgesprochen nett. Für die Kurzen (und natürlich die Großen) gibt es am Marktplatz eine sensationelle Eisdiele (nicht zu verfehlen, einfach ans Ende der Schlange stellen), für die Frauen gibt es genug Shopping-Möglichkeiten (wenn auch nicht auf Mailänder Niveau) und die Männer können sich an Architektur oder Schiffen erfreuen.
In Kalmar ist das Schloß und die Gamla Stan sehenswert, fanden es sonst aber nicht ganz so prickelnd.
Die Inseln Sturkö und
Tjurkö bieten in Kombination mit Strandabstechern und
Minigolf beim Campingplatz eine abwechselungsreiche Tagesbeschäftigung.
Hasslö, die Insel hinter Karlskrona hat einen schönen
Strand (natürlich Kleinkind-geeignet) wunderschön in einer Bucht
gelegen und auf dem Weg dorthin, ist eine Pause im Naturreservat Almö
Pflicht.
Bei gutem Wetter ist das vor Schönheit kaum auszuhalten!
Kristianopel
Ein paar Kilometer entfernt liegt
das kleine Hafenstädtchen Kristianopel. Gut geeignet für abendliche
Spaziergänge, kulinarisch ergänzt um ein leckeres Eis und ein bisschen
klassischen Tourismus. Hier gibt es neben kleinen Gassen auch Menschen zu
gucken, denn der dort angesiedelte Campingplatz, sorgt doch für einiges
an Bewegung. Live-Musik, Kneipen, Restaurants, aber noch überschaubar,
bieten jedenfalls Abwechslung für jemanden, der es braucht.
Sail in Karlskrona
Die Kieler Woche in klein aber durchaus mit Charme. Nur eines fand ich echt schrecklich – nach dem Genuss von ausgesprochen leckerem und vor allem würzigem Elchfleich dürstete es mich doch sehr nach einem Bier. Und es ist mir weiterhin ein Rätsel, wie so viele Menschen auf den Beinen sein können, sich gefühlte 837 Buden aneinander reihen und kein Bierstand dazwischen ist. Unglaublich …
Zivilisation
Im Urlaub (vor allem in Schweden) möchte
man ja im allgemeinen dem Alltag und auch ein bisschen der Zivilisation entfliehen.
Leicht unfreiwillig haben uns Tina und Mike auch dieses angeboten. Mit dem
Ausfall der Wasserpumpe zum Ende des Urlaubes begannen für die beiden
schon ein paar harte Tage. Das Krisenmanagement war dennoch hervorragend und
sollte mal von der Deutschen Bahn kopiert werden. Top versorgt mussten wir
aber trotzdem mit ansehen, wie sich Mike und Schwager Martin diverse Wasserquellen
(mit einigen fiesen Rückschlägen) hart erarbeiten mussten.
Als am letzten Abend auch noch ein Sturm heraufzog, wir alle zusammengekuschelt
im Cafe saßen (abends sehr gemütlich!) und gegen 20:00 die beiden
Wasserhelden (endlich hat alles geklappt) feierten, war alles wunderbärchen.
Im Geiste sah ich zwar immer wieder sturmgeplagte Bäume (und davon gibt
es da oben nicht wenig) auf Stromleitungen fallen, aber wer zuviel Akte X
im TV gesehen hat ist manchmal auch ein bisschen verstrahlt.
Das dann gegen 23:00 tatsächlich der Strom ausfiel und halb Blekinge
im Dunkel lag, war schon wieder fast lustig. Und ganz tief im Herzen dankte
ich Fox Moulder und Dana Scully (meinen Akte X-Helden), dass ich Kerzen bereit
gestellt hatte.
Dies ist übrigens keine Antiwerbung, sondern der wichtige Hinweis: Egal,
was passiert, Martina und Mike haben Krisensituationen im Griff.
Familienanschluß
Herzliches und freundschaftliches Verhältnis
zum "Vermieter" ist ja nicht selbstverständlich. Schließlich
will man ja den Menschen nicht auf die Pelle rücken. Aber die gemeinsamen
Grillabende mit der kompletten Lantluftbesetzung (incl. Schwester, Schwager,
Nichten und Neffen von Tina) waren ziemlich lääässig. Lässig
war sowieso das Wort des Urlaubes, wer Martina kennt, weiß auch was
ich meine. Und lässig war der gemeinsame Abend bei der Sail oder für
die Mädels auch die Loppis-Events. Und es ist schon erstaunlich wie viele
Flohmarkt-Artefakte mittlerweile fester Bestandteil unseres Heimes sind.
Fazit: Gefühlt kamen wir als Gäste und fuhren am Ende als Freunde!
Finale
Wer sich jetzt bisher lesetechnisch durchgearbeitet
hat, gehört (empirisch belegt) zu einer kleinen Gruppe von ca. 10 %.
Respekt, verehrte Leserinnen und Leser.
Um diese Quote nicht noch weiter zu senken, höre ich jetzt auch besser
auf. Ich weiß sowieso nicht so recht, ob die beiden eigentlich so was
mit Reisebericht meinten. Vielleicht gibt es ja auch nur eine Kurzfassung
im Netz – aber egal. Ich konnte jedenfalls noch mal einen wunderschönen
Urlaub Revue passieren lassen.
Also, dann noch mal für Martina, Mike und Yukon
Tausend Dank für alles (tack så mycket) und Hey då !
Lantluft-Fans-Ortsgruppe Hannover
Micha & Silvia, Jani und Lea
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